Dienstag, 2. August 2011

[Psychologie] Alle Sommer wieder: Was zieht uns in die Ferne?

Die Ferien beginnen (oder sind schon in vollem Gange) - und die Deutschen fliehen in den Urlaub. Dabei ist es zu Hause doch auch spannend: hier gibt es richtig schönes Theater in Politik und Wirtschaft:

Ein Blumengeschäft in meiner Straße. Die Tür ist zu - heute, morgen und wohl auch am Montag: "Dieses Geschäft bleibt wegen Personalmangel geschlossen", steht auf dem Zettel an der Schaufensterscheibe. Ich denke mir: "Wow! Was für eine Aussage!" - und betrachte mitleidig die vertrockneten Blumen im Ladeninneren.
"Aber das kann doch gar nicht wahr sein...". Gut, die Arbeitslosigkeit ist tief gesunken und die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel. Aber Blumenfachverkäuferinnen-Not? Sind wir schon soweit? Ich schaue mich um, kaugummiverklebte Pflastersteine und eine Plakatwand mit "Türkei, 5 Sterne all inclusive, so günstig wie nie". Ich habe verstanden: Die Deutschen sind weg - alle Sommer wieder. Die Sommerferien haben in fast allen Bundesländern schon begonnen, fehlen noch nur Bayern und Baden-Württemberg.
Warum und wohin verreisen wir eigentlich? Wen es nach Dänemark zieht, der muss seit 1. Juli wieder an der Grenze den Ausweis zücken. Von wegen Schengen... Superstaus sind so garantiert, und Gastfreundschaft schaut auch anders aus. In Griechenland erwartet die Urlauber bei schrecklicher Hitze ein pleitegegangenes Land in Aufruhr. Aber immerhin: mit unserem Urlaubsgeld tun wir was für die griechische Volkswirtschaft, und damit wieder für uns als Gläubiger. In Italien können wir mit Bunga-Bunga-Parties die moderne Form des biblischen Sodom und Gomorra erleben. In Spanien werden wir wahrscheinlich wegen der falschen Gurken-Ehec-Geschichte noch gelyncht. Mit den Iren und ihrem Guiness können wir höchsten den (Wirtschafts-)Kummer ertränken und mit den Portugiesen dem (traurigen) Fado lauschen. Und in Tunesien und Ägypten gibt es neben Knallerpreisen auch noch Bombenstimmung.
Wieso also eigentlich verreisen? Die gute alte Postkarte, die wir früher schickten, um die Daheimgebliebenen zu beeindrucken, schreiben wir ja meistens eh nicht mehr. Zu umständlich. Und eine MMS ist uns zu teuer. 
In Deutschland gibt es dagegen einiges zu verpassen. So wir in der Politik gerade gratis das Naturschauspiel einer Kanzlerinnendämmerung dargeboten, und eine Partie, die FDP vergilbt öffentlich. In der Wirtschaft dreht und dreht sich das Personalkarussell: die Telekom schafft an ihrer Spitze Platz für Frauen, der Bundesbanker a.D. Axel Weber flüchtet zur UBS in die Schweiz, und die Deutsche Bank will doch jetzt tatsächlich nach monatelangem Hin und Her einen neuen Chef inthronisieren. Auch das gesellschaftliche Leben steuert mit einer möglichen Soli-Abschiedsfeier am Brandenburger Tor auf einen Höhepunkt zu.
Zu Hause ist und bleibt es am schönsten - auch wenn wir unsere Blumen selbst pflücken müssen und im Fernsehen in den vergangenen Tagen oft nur Frauenfußball läuft. Oder gerade deshalb?

Kommentare:

  1. Liebelein, du hast gewonnen. Bitte schreib mir eine Mail mit deiner Adresse an cocos-insel@gmx.de

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  2. ich brauch dringend rückmeldung, ich wollte bis heut abend die adressen weiter reichen......

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