Dienstag, 1. Februar 2011

Die sieben Todsünden der Frau - Teil 5

Schönheit:
Kurz nach 7, das Mädchen muss zur Schule und steht inmitten eines Kleiderhaufens. Es stößt Selbstverwünschungen aus: "Meine Haare sind zu dünn/glatt/lockig, ich habe viel zu wenig/nichts anzuziehen, meine Schenkel/Arme/Hüften sind zu fett/zu schmal, ich gehe so nicht vor die Haustüre/kriege nie einen ab/hasse mich."
Zum Glück werden aus Mädchen Frauen. Zumindest aus einigen Mädchen. Denn immer mehr Frauen stehtn noch mit 40 jeden Morgen vor dem Spiegel oder auf der Waage und stampfen mit dem Fuß auf. Sie nerven ihre Männer und Freundinnen mit irrationaler Selbstherabsetzung. Sind davon überzeugt, dass man auf umso mehr Liebe und Erfolg hoffen darf, je schöner man ist. Sie glauben, dass es nur eine einzige Art von Schönheit gibt, messbar in Kilogramm, Muskelfaserdichte und Jahren.
Dabei haben Forscher längst erkannt, dass man Schönheit nicht reduzieren kann auf zweidimensionale Symetrie und Makellosigkeit. Dass Menschen, die auf Fotos als nicht sehr attraktiv empfunden werden, deutlich positiver bewertet werden, sobald man bewegte Bilder von ihnen zeigt; äußerliche Mängel werden bei mehrmaligem Betrachten immer weniger wahrgenommen, während andererseits Schönheit an Attraktion verliert. Und übrigens, Schönheit kann sogar ein Handicap sein: zwar stimmt es, so eine neue Studie aus den USA, dass attraktive Bewerberinnen eher eingestellt werden als unattraktive - allerdings in klassischen Frauenberufen. In männerdominierten Branchen werden ihre weniger schönen Konkurrentinnen bevorzugt.
In Umfragen sagen Menschen wohl häufig, dass sie sich für sich selbst schön machten und nicht für andere. Aber wer muss denn für sich selbst einen Pickel überdecken? Schön macht man sich für die, die einen anschauen, also für die anderen. Warum auch nicht? Ein gepflegtes Äußeres gehört zu einem angenehmen Auftreten, sich zu bewegen und gesund zu ernähren ist vernünftig. Gar nicht vernünftig ist es, Lebensjahre auf Laufbändern zu verbringen, Vermögen für Cremes und Schönheits-OPs auszugeben und das erste graue Haar für den Beginn der Apokalypse zu halten. Was könnte man nicht alles tun mit dieser Zeit, mit diesem Geld, mit dieser Energie? Bücher oder Zeitungen lesen, Fortbildungen besuchen, Netzwerke gründen, mit Freunden Essen gehen, den Mann verführen.
Frauen deren gesamtes Befinden von der Frage nach dem Aussehen abhängt, dürfen sich nicht darüber wundern, wenn sie zwar schön gefunden, aber ansonsten eben nicht für voll genommen werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Bitte beachtet jedoch die Regeln für ein freundliches und kommunikatives Miteinander. Vielen Dank!