Sonntag, 30. Januar 2011

Die sieben Todsünden der Frau - Teil 4

Ehrlichkeit:
Uns gehört die Hälfte der Welt und somit auch mindestens die Hälfte der Redezeit. Besonders viel reden wir über Gefühle. Dabei sind wir immer wahnsinnig ehrlich. Junge Männer sind damit leicht zu beeindrucken, sie finden das stark. Männer akzeptieren, dass wir Fachleute sind, wenn es um Gefühle geht und darum, ehrlich darüber zu reden. Reifere Männer sehen das kritischer. Frauen gewöhnen sich eine Art von Ehrlichkeit an, die uns alle (Männer und Frauen) nicht weiter bringt. Nennen wir sie die Gefühls-Ehrlichkeit. Sie ist überall, und sie droht, alles andere zu verdrängen. Gefühls-Ehrlichkeit ist, wenn Frauen auf eine sachliche Meinung reagieren, indem über Emotionen gesprochen wird.
Am alltäglichen Beispiel gesehen: Ein Mann sagt: "Wir haben jetzt seit Wochen jeden Abend zusammen verbracht, nun muss ich mal wieder zum Training, sonst fliege ich aus der Mannschaft." Die Frau sagt: "Du liebst mich nicht mehr." Der Mann ist verblüfft, er versichert, dies sei unzutreffend. In einem mehrstündigen Gespräch wird er merken, dass die Frau seinen Plan, das Training weiterhin als Mannschaftsport zu betreiben, so empfindet, als werfe er ihr vor, sie würde klammern. Denn sie hat das Gefühl, er möchte seine Zeit lieber in einer stickigen Turnhalle verbringen als mit ihr. Wenn das so ist, liebt er sie nicht mehr. Der Mann streitet das ab, aber er kann die Frau nicht überzeugen, denn für sie gibt es nur eine Realität: die ihres Gefühls. Der Mann wird wütend: "Du übertreibst, wie kannst du nur so etwas sagen?" Und jetzt kommt das Killer-Argument jeder Frau, denn sie sagt: "Aber ich bin doch nur ehrlich!" So ein Streit endet mit zerschlagenem Geschirr, lauten Worten oder Sex, aber keinesfalls damit, dass man sich am Ende besser versteht.
Merkt die Frau, was sie getan hat? Das jahrelange Reden darüber, wie man sich fühlt, hat dazu geführt, dass folgende Gleichung entstanden ist: Gefühle haben immer recht, denn sie sind ehrlich und wahr, und darum sind sie der Maßstab von allem. Man könnte natürlich sagen: Frauen sind clever und Gender-politisch ganz weit vorn, denn sie haben einen Hammer im Arsenal, mit dem alles plattgemacht werden kann: gefühlte Ehrlichkeit. Es ist aber jedes Mal ein vergifteter Sieg, denn der Unterlegene bleibt frustriert und unverstanden zurück, und weiß: Bei nächster Gelegenheit geht alles wieder von vorne los.
Frauen haben manchmal das Gefühl, von Männern nicht ernst genommen zu werden. Oft liegt das daran, dass wir Frauen versessen darauf sind, alles auf eine Gefühlsebene zu ziehen. Und die Männer wären verloren, wenn sie alle unsere Gefühle ernst nehmen würden, denn sie sind unberechenbar, unkontrollierbar, unzuverlässig.
Die Gefühls-Ehrlichkeit hat längst die ganze Gesellschaft infiziert. Bundespräsidenten treten zurück, weil ihre Gefühle verletzt wurden, und ganze Talkshows leben nur von Variationen der Frage "Wie hat sich das angefühlt?". Dieses Land dreht sich im Kreis, weil wir Frauen es geschafft haben, dass alle nur noch möglichst ehrlich über Gefühle reden. Jedoch kommen die Männer so nicht weiter - und wir Frauen auch nicht. Am Ende tauschen alle bloß noch Statusmeldungen über Befindlichkeiten aus. Und im schlimmsten Fall gewinnt stets derjenige, der die stärker verletzten Gefühle hat. Was dann bleibt, ist Sprachlosigkeit. Ja, lasst uns reden: aber lieber mit sachlichen und mit echten Argumenten.

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