Samstag, 29. Januar 2011

Die sieben Todsünden der Frau - Teil 3

Fleiss:
Es gibt immer eine fleißige Kollegin. Sie sitzt abends immer lange am Schreibtisch. Für jedes Projekt legt sie einen Vorgang an, und auf jedes Brainstorming bringt sie eine Ideenliste mit, 30 Spiegelstriche untereinander. Sie überlässt nichts dem Zufall. Die Kollegin ist freundlich, die meiste von uns mögen sie, auf die Art, wie man in der Schule die mochte, von denen man abgeschrieben hat. Sie ist gern perfekt, und sie ist gut in dem, was sie tut. Das Problem ist: Es bringt ihr nichts. Außer immer mehr Arbeit. Weil ihr alle noch was draufpacken, vor allem der Chef und die männlichen Kollegen.
Warum sich so abrackern? Bleibt unklar. Einen anderen Job will sie nicht, für eine Beförderung wirkt ihr Fleiß zu beflissen. Und den Eindruck, wirklich kreativ zu sein, erstickt sie im Überkorrekten.
Wir schauen zu, staunen und versichern uns: So sind wir nicht. Aber sind wir wirklich so anders? Oder einfach nur diskreter? Sprechen statt von Fleiß von Engagement, Flexibilität, Einsatzbereitschaft - weil das schöne, moderne Eigenschaften sind. Und dann werkeln wir fleißig im Verborgenen, hinter angelehnter Tür, damit keiner merkt, wieviel Arbeit in dem steckt. Basteln nach Feierabend für Halloween, schreiben die Rundmail an die Yoga-Gruppe, bürsten den Hund und backen Kuchen für Oma. Und in der Summe sind wir dann die ganze Zeit zugange, weil wir immer noch schnell irgendetwas fertig machen, und wir merken es nicht mal, weil wir, Frauen, immer noch Kapazitäten haben.
Wir schaffen es ja immer. Schön fleißig, schön blöd. Fleiß kann man, physikalisch, auf eine einfache Formel bringen: Fleiß ist Zeit mal Anstrengung. Mit der Formel kann man den typischen Frauenalltag berechnen. Sie ergibt immer, unterm Strich, dass alle zufrieden sind: die Vorgesetzten, die kranke Tante, die Gesellschaft. Und wir sind müde.
Fleiß ist toll, wenn er sich lohnt, wenn wir ein Ziel haben, dass wir durch erhöhten Einsatz erreichen können. Fleiß ist noch toller, wenn wir ihn gar nicht merken, weil das, was wir tun, uns in den Flow bringt. Fleiß ist falsch, wenn wir ihn automatisieren, immer zuständig sind und dabei nur die Erwartungen anderer erfüllen. Wenn wir dauernd allen etwas abnehmen, bringt das niemanden dazu, selbst anzupacken.
Wer immer funktioniert, bietet keine Reibungsfläche. Die Fleißigen spürt man nicht. Sie hoffen auf eine Anerkennung, die nicht kommen kann - wegen der angelehnten Tür. Und vor lauter Emsigkeit kommen sie dann nicht zu den wesentlichen  Dingen: Spaß haben, Sinnsuche, Müßiggang, gutes Buch, Selbstbehauptung. Fleiß ist gut. Für alle anderen.
Frauen, klappt eure Laptops zu. Bloß kein Fleiß, wo er nutzlos ist. Den Einsatz dosieren. Abwägen, Nein sagen. Sündigt nicht länger.
Dieser Text ist jetzt fertig. Ich werde heute keinen Kuchen mehr backen. Ab ins Bett.

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